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«Dokumentation eines Workshops April 2007 Workshop-Dokumentation: Ernährungssouveränität Impressum Diese Publikation dokumentiert einen von der ...»

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In der Diskussion wurde von mehreren TeilnehmerInnen betont, dass Ernährungssouveränität derzeit noch eher eine Sammlung von Eckpunkten als ein in sich schlüssiges Konzept ist. Die Frage ist, ob ein kohärentes Programm der Ernährungssouveränität notwendig und wünschenswert ist. Dabei würde die Gefahr bestehen, dass der Begriff überfrachtet wird, indem alle Aspekte und Probleme darin angesprochen werden. Wenn Ernährungssouveränität eher als politische Vision und Orientierung verstanden wird, ist ein umfassendes, in sich schlüssiges Programm weniger notwendig. Dazu müsste eher der Begriff selbst und einige der Eckpunkte mobilisierungs- und kampagnenfähig werden.

In Entwicklungsländern ist Ernährungssouveränität ein „Kampfbegriff“, das ist in Europa und speziell in Deutschland nicht der Fall. Auf deutsch ist der Begriff zu wenig aussagefähig um mobilisierungsfähig zu sein. Die Verkürzung auf möglichst radikal wirkende Forderungen á la: „WTO raus aus der Landwirtschaft führt zu Ernährungssouveränität“ ist in dem Zusammenhang aus Sicht mehrerer TeilnehmerInnen nicht unbedingt hilfreich. Eine offene Frage ist, ob Mobilisierung eher an aktuelle Ereignisse anknüpfen soll, oder ob dies eher mit einem umfassenden Gesamtkonzept erreicht werden kann.

So bieten die derzeit unter Ernährungssouveränität zusammen gefassten Eckpunkte eine gute Orientierung in verschiedenen Diskussionen, aktuell in der um Biomasse. Der Schwerpunkt auf Ernährung und regionale Produktion kann dem Trend zur großflächigen Produktion von Energiepflanzen für den Export entgegengesetzt werden. Andererseits könnte bei der Betonung von nur ausgewählten Punkten, die im jeweils aktuellen Kontext relevant sind, dazu führen, dass das Gesamtkonzept verschwimmt und damit weniger mobilisierungsfähig wird.

Eine der offenen Fragen in der Ernährungssouveränität besteht nach Ansicht einiger TeilnehmerInnen darin, dass sie so verstanden werden kann, dass Industrieländern beim Marktzugang die gleichen Schutzrechte zugestanden werden sollen wie Entwicklungsländern, und ob dies angemessen ist.

Daraus ergibt sich insgesamt die Frage, inwieweit Ernährungssouveränität in Entwicklungs- und Industrieländern gleich oder unterschiedlich diskutiert und definiert werden kann. Damit verbunden ist die Frage, ob Ernährungssouveränität im Deutschen/Europäischen Kontext weitgehend „individuell“ definiert werden kann, oder ob sich deutsche Gruppen zunächst mit dem internationalen „Status quo“ identifizieren müssen, um ihn anschließend im nationalen / EU-Kontext mit Leben zu füllen.

Ernährungssouveränität kann derzeit so verstanden werden, dass die Bauern letztlich alleine über die Agrarpolitik bestimmen sollen. Besonders problematisch ist dies in Industrieländern, wo die Bauern nur noch eine relativ kleine Bevölkerungsgruppe ausmachen. Aber auch in Entwicklungsländern müsste die Rolle von Konsumenten in der Ernährungssouveränität stärker betont und so zu einem echten „Multi-Stakeholder-Ansatz“ ausgebaut werden. Damit verbunden ist die Frage, welche politischen Akteure Veränderungen in der bestehenden Politik anstoßen und tragen können, damit sie die ökonomische Dynamik in Richtung Konzentration und Industrialisierung nicht weiter unterstützt und fördert.

Letztlich zielt Ernährungssouveränität nach Ansicht mehrerer TeilnehmerInnen auf eine Demokratisierung des Landwirtschafts- und Ernährungssystems ab, das gleichzeitig die internationale Dimension und die gegenseitigen Abhängigkeiten unterstreicht. Die Machtungleichgewichte auf internationaler Ebene werden im derzeitigen Verständnis umfassend berücksichtigt. Andererseits wird nicht sehr deutlich, wie sie auf nationaler Ebene gelöst werden sollen. Ernährungssouveränität sollte daher nicht auf eine möglichst umfassende Liste spezifischer Forderungen begrenzt, sondern eher als Verfahrensfrage zur Gestaltung der Agrarpolitik auf internationaler und nationaler Ebene betrachtet werden.

Die Teilnehmer des Workshops sehen noch mehr Diskussionsbedarf zu diesem Thema. Deshalb soll die Debatte im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und Ernährung (AGL&E) im Forum Umwelt und Entwicklung fortgesetzt werden.

Workshop-Dokumentation: Ernährungssouveränität Zum Weiterlesen Africa Europe Faith And Justice Network (AEFJN). www.aefjn.be.

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